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Living with Bob Kolumne 03 – Arm aber sexy

monatliche Kolumne Living with BobEs gibt Welten, da hüpft man mit einer roten Mütze an Polygonen-Büschen vorbei. Einige bewegen sich durch gefährliche Gegenden wie Vice City und fantastische Landschaften wie Azeroth. Man hört von Ländern, in denen jeder Wochentag für eine bestimmte Farbe der Kleidung reserviert ist, Staaten, wo es unhöflich ist anderen seine Fußsohlen zu präsentieren und Ländern, in denen man gebeten wird, die Schuhe auszuziehen, bevor man ein Haus betritt.

Es gibt Städte, da verbringt man die meiste Zeit in Cafés, Dörfer, in denen Siesta gehalten wird, es gibt ganze Metropolen, in denen dürre Mädchen, über Laufstege schreiten, Orte an denen man die einheimische Sprache kaum mehr als die eigene identifizieren kann, Landkreise, in denen man sich zu jeder Tageszeit mit „Moin“ begrüßt, Städte in denen man entweder Champagner in öffentlichen Verkehrsmittelnd trinkt oder Papas BMW chauffiert. Und dann gibt es da noch Berlin.

In Berlin ist es schick, arm zu sein. Hier gilt das Motto: Arm, aber sexy. Das sieht nicht nur der regierende Bürgermeister so. In die aktuelle Hauptstadtkampagne be berlin sollte sich neben Slogans wie „Sei laut, sei offen, sei Berlin“ auch der Satz „Sei arm, sei sexy, sei Berlin“ einreihen und auf Plakaten in S-Bahnhöfen prangen oder durch das Berliner Fenster, den U-Bahnflimmerkasten, flattern.

Da es in Berlin sexy ist, mit einem Minimum an finanziellen Mitteln zu überleben, die Klamotten des kleinen Bruders abzutragen und sich von Fertigsuppen zu ernähren, ist es auch üblich, in hippe Stadtviertel mit einem hohen Anteil an sozial benachteiligem und dennoch intellektuell anspruchsvollen Publikum zu ziehen. Man lebt in renovierungsbedürftigen Altbauten, vorzugsweise im Besetzungszustand.

Diese Viertel sind geprägt durch bröckelnde Fassaden, Discounter, türkische Gemüsestände und Dönerbuden. Auf dem Weg zum nächsten Supermarkt kämpft man sich durch den klassischen Berliner Hundehaufe- Slalom. Nirgends kann man so versumpfen, vereinsamen, ersticken wie in Berlin. Es ist die Hassliebe, die jeden in diesem Spiel trennt und doch verbindet.

Viele wollen es nicht wahrhaben, doch seit längerer Zeit ist ein erschreckender Trend zu beobachten: Aus Dreck wird schick. Ebenso wie aus der rotzigen Skateboard-Göre Avril Lavigne eine Edel-Punkerin mit eigener Parfum-Linie wurde, wird auch irgendwann die letzte dreckige Ecke in Berlin aufgehübscht werden. Ein Alternativ-Kunsthaus wird verkauft und durch ein Wohnviertel mit Einkaufszentrum ersetzt, in ganz Berlin geht der Renovierungsteufel um. Arm scheint nicht mehr sexy zu sein. Das wurde mir schlagartig klar, als ich neulich mit Bob nach ein paar Tagen auf dem Land wieder zurück nach Berlin kam.

Auch wir wohnten in einem Altbau mit 80er-Jahre-Schick. Ausgestattet mit allem was dazu gehört, graue Wände, undichte Rohre, ein schnodderiger Hausmeister. Doch als wir unseren Problemviertelhausflur betraten, fragten wir uns wie wir verpassen konnten, dass das Jahr 2011 in Wedding angekommen ist. Die Wände plötzlich in klarem Weiß, das Treppengeländer Azur, an unserer Tür eine Terminanfrage zum Lackieren des Rahmens.

Der Vermieter fragt per E-Mail an, ob wir am neuen Online-Service zur Schadensmeldung interessiert seien. Und pünktlich am nächsten Tag steht nach vier Monaten Warterei und Endlostelefonaten mit dem Hausmeister ein Klempner vor der Tür, um den Abfluss zu dichten. Der Kosmos unseres kleinen Viertels wird aus den Angeln gehoben, bald werden Architektenbüros und Biosaftläden aus der Erde schießen wie Disteln.

Da wir keinen Hund besitzen, sind Bob und ich ohnehin schon argwöhnisch betrachtete Außenseiter. Nun wohnen wir in einem frisch gestrichenen Angeberhaus inmitten der schnöden Sozialwohnungen. Geächtete! Es gibt nur eine Lösung: Wir ziehen um!

Zum Schluss noch BOB’s Spezial Tipp: Alle affigen Kolumnen können für Freunde des englischen Sprachvergnügens auf MMORPG-BOB.COM und natürlich hier auf Gratis-MMORPG.com nachgelesen werden.

 
 
 
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