Augen zu und durch, Lider nieder und weg gepennt. Das ist Bob, ein leichtfüßiger Überlebenskünstler im modernen Medien-Dschungel.
Nicht dass er es tatsächlich leichter hätte als ich oder andere. Nicht dass er die Dinge einfach nicht so schwer nähme wie andere oder ich. Bob ist nicht gerade ein Öko-Tex tragender Yogi-Tee Trinker, der uns allen in Punkto innere Mitte etwas vor machen könnte.
Auch Bob hat nonstop-action, Monatsende und den ganz normalen Großstadt-Koller. Doch er hat eins, das haben nicht viele: Bob hat das unglaubliche Talent, sich in einen Raum voller Fragen zu stellen „Stopp“ zu schreien bis die Bronchien brennen, um dann lapidar zu schließen: „Gut dass wir darüber geredet haben, aber es ist schon spät, ich geh jetzt pennen.“
Bei mir ist das ganz anders. Auf meiner Haut bilden sich indes Krater. Fünf Stunden Schlaf, zittrige Beine, unentwegte Unruhe, Smarties-Fressattacken. Stunden wühle ich mich durch die Kaltschaum Krypta. In meinem Kopf explodieren Atome, es stinkt nach Jod, ich müsste mal wieder meine Mutter anrufen, Scheine verschwinden im Steuerabgrund, Wahlabsturz, die Zahnpasta ist leer, 50-Stunden-Woche, Kinder schreien, Tetris 3D, Bequerel, Facebook-Fratzen, Wodka-Schwere, wasnochalleszutunist und irgendwie kneift mein linker kleiner Zeh.
Vielen geht es ähnlich. Warum? Das ist doch mal eine Frage, die einen wirklich umtreiben müsste. Und in einer meiner nächtlichen Hirn-Putz-Aktionen kommt mir dann die eiskalte Erleuchtung. Vor lauter Schlaflosigkeit klappe ich mein Netbook auf und unschuldig weiß klatscht mir die stechende Wahrheit eines Browser-Absturzes entgegen: Man kann nicht mehr allein sein mit seinen Gedanken.
Noch bevor die Dusche einen mit Heute übergießt, hüpft man schnell mal bei Facebook und Twitter vorbei. Radio beim Anziehen, Fernseher beim Kaffee. Bewegte Bilder in der U-Bahn, Handy am Ohr. Der Rest starrt in Tageszeitungen, Bücher oder knallt sich Kopfhörer auf die Ohren. Jeder Schritt, jeder Gedanke, wird geteilt. Von „ Bin grad beim Bäcker“ bis „Der Morgen ist zu schön, um bald Gestern zu sein“ ist alles dabei.
Ein unglaublicher Fortschritt, eine nicht mehr weg zu denkende Errungenschaft der Standpunktbildung und freien Meinungsäußerung, der Verknüpfung hunderter, tausender, Millionen von Köpfen und Herzen. Nichts, was ich missen möchte. Aber wo bleibt noch Platz, um allein zu sein? Nicht einfach räumlich getrennt von anderen, auch nicht einsam oder sozialphobisch. Wann funktioniere ich einfach, wann bin ich Avatar und wann holt sich meine Gedankenmaschine die Herrschaft über mich zurück?
Nachts. Nachts, wenn ich nicht schlafen kann. Fatal Error! Dringender Reset erforderlich.
Darum mach ich das jetzt wie Bob. Wenn ich ohnehin keine Lust habe mir die zwölfte Wiederholung von CSI anzusehen, nehme ich ein Schaumbad. Wenn jemand fragt, ob ich bei Facebook bin, lad ich ihn zu Hühnersuppe ein statt zum Chatten. Wenn draußen die Sonne an mir vorbeifährt, pack ich die Buchstaben in die Tasche. Und wenn der Kopf morgen Nacht wieder einmal um die ganze Welt hetzen will, werde ich mich hoffentlich an diese Vorsätze erinnern und einfach alle Sinne herunterfahren.
Wer aber doch nochmal Anregung braucht, für den hat Bob wieder seinen Spezial-Tipp: Alle affigen Kolumnen können für Freunde des englischen Sprachvergnügens auf MMORPG-BOB.COM und natürlich hier auf Gratis-MMORPG.com nachgelesen werden.

