Hast du das grinden auch so satt? Schon wieder an einem Mob gewiped und dir ist klar, dass noch 10.000 Mobs folgen werden? Ist diese Welt gerecht? Oder gibt es bessere Welten, in denen dein Schild mehr absorbiert und du nicht alle zwei, drei Mobs am Mana saufen bist und deine HP regenerieren musst? Und, die allerwichtigste Frage: Hat der Developer gegrinst, als er sich diese elende Quest ausgedacht hat und war sich dabei vollkommen bewusst, dass du die unerklärliche Lust, deinen PC aus dem Fenster zu werfen, verspüren würdest?
Du wolltest eigentlich so schnell wie möglich zum End-Content, doch auch zwei Wochen später hast du erst 34 von 100 Leveln geschafft. Du siehst dich die nächsten Wochen beim Grinden und das lange Gesicht, das du ziehst, will kaum einer sehen, außer derjenige, der sich genauso ärgert wie du. Da will man sich fragen, machen die Entwickler das eigentlich mit Absicht? Irgendwo, in den vielen Statistiken, da gibt es sicherlich einen wissenschaftlich bewiesenen Wendepunkt, an dem sich normale Gamer von den Hardcore-Zockern unterscheiden. Die normalen Gamer verlassen nämlich das Spiel an diesem speziellen Punkt und kommen nie wieder und als Entwickler sollte man sich fragen, ob man das verwöhnte Gemüt eines Zockers so dermaßen überstrapazieren möchte.
Hier ein anderes Beispiel, wie die Developer unsere Zeit verschwenden: Da freut man sich, dass man endlich Level 20 erreicht hat und denkt sich, dass man die Klassenquest sicherlich in absehbarer Zeit hinter sich bringen wird. Doch dann folgt das Erwachen - nachdem man in die Hauptstadt gereist ist, schickt einen der NPC direkt in ein Low-Gebiet zurück. Okay, denkt man sich, ich werd sicher zwei, drei Sachen finden müssen und dann werde ich meine neuen Fähigkeiten erhalten. Doch, was dann folgt, das erinnert einen dann doch eher an eine Tragikkomödie als an ein erfüllendes Quest-Erlebnis. Erst wird man im Low-Gebiet ganz in den Norden geschickt, damit man sich vom NPC dort anhören darf, dass man nun in den Süden müsse. Der NPC im Süden ist sich ganz sicher, dass der NPC im Osten mehr weiß und der schickt einen in den Westen. Der NPC im Westen schickt einen wiederum durch die halbe Weltgeschichte und nach ungefähr 15 Laufquests und 45 Minuten später kommt man wieder in der Hauptstadt an und darf sich im schlimmsten Fall noch ein Quiz antun. Die Belohnung für diese 45 Minuten sind dann ein paar lächerliche EP und eine Fähigkeit, die immer dann, wenn man sie braucht, am Random-Wiederstand der Gegner failt.
Was sich die Hersteller bei solchen Quests denken, das ist doch fraglich, denn wir Spieler spielen nicht ein MMORPG nur weil wir zu viel Zeit haben. Nein, wir wollen in den End-Content. Wir wollen uns equippen und dann unsere Skills gegen andere Spieler testen. Wir wollen monströse Endbosse klatschen, uns ausgiebig duellieren und hier und da ein gutes 1vs2 gewinnen. Wir wollen bloß eins nicht - stunden-, nein tage-, gar wochenlang grinden.
Manch einem mag das ja Spaß machen, stupide einen Mob nach dem anderen zu killen. Am besten noch mit so viel EP, dass man mehr als 200 Mobs pro Level braucht. Noch besser ist es dann einen zerbrechlichen Magier zu spielen, der auch noch alle 10 bis 20 Mobs einfach umkippt, weil man doch wieder in die vielen Mobs hinein gejumpt ist, ohne zu reggen. Doch mal ehrlich, es gibt eine Grenze und wenn die überschritten wird, dann loggen wir aus und deinstallieren das Spiel. So einfach ist das, denn es gibt genug schlechte MMORPGs auf dem Markt und sicherlich auch eins, das besser ist, als das, das gerade nicht im Papierkorb gelandet ist, weil die Datei zu groß war und es daher gleich endgültig gelöscht wurde.
Wir wollen gute Quests mit viel Erfahrungspunkten. Mag sein, dass jetzt einer mit dem Argument kommt, dass es nunmal nicht alles geschenkt gibt und dass das auch gut so ist. Das ist auch gut so. Aber mal ehrlich, wenn man ganz für sich allein gegen computergenerierte Gegner antreten möchte, dann kauft man sich ein Video-Spiel. Außerdem haben die meisten von uns bereits mehr als einmal einen Spielcharakter hoch gelevelt und nach dem zehnten MMORPG will manch einer einfach keine zwei Monate mehr investieren, um zum End-Content zu gelangen, der dann im schlimmsten Fall mit Massenschlachten im Ultra-Lag-Modus aufwartet.
Nein, wir möchten mit und gegen andere Spieler spielen. Wir wollen mächtige Endbosse, die uns das Adrenalin in den Kopf schießen lassen, so dass wir nach einem anspruchsvollen Raid stolz und zufrieden uns austauschen können, wie hart der Boss doch war. Wir wollen Action, wir wollen diverse Spielmodi mit Anspruch, in denen jede Klasse eine Aufgabe hat. Wir wollen wipen, um nach ein paar Wipes den Boss endlich zu legen. Wir wollen PvP, das realistisch ist und lagfrei verläuft. Wir wollen Balance im Game.
Natürlich ist der Prozess des Levelns wichtig, um die neuen Skills zu lernen, doch sollte dieser Prozess nicht unnötig in die Länge gezogen werden. Aber gerade bei so genannten Asia-Grindern ist die Zeit, die es erfordert, den Levelcap zu erreichen, immens lang und das lässt alle Vorfreude im Keim ersticken. Realistische drei bis fünf Level pro Tag sollten doch drin sein, ohne dass man 12 Stunden am PC kleben muss. Bei einem niedrigeren Levelcap ist auch weniger okay.
Und wehe, man hat die 100 Level hinter sich gebracht und der End-Content bietet nicht mehr als drei Endbosse, die alle im gleichen Schema á la Tank-pullt-mit-Heiler-im-Nacken-und-die-DDs-hauen-eine-Halbe-Stunde-drauf verlaufen. Ja, MMORPGs zu entwickeln, die das verwöhnte Publikum überzeugen, ist nicht nicht einfach. Aber man könnte ja auch einfach einmal auf die Community hören, denn die ist immer noch der Kunde, der umgarnt werden will und soll und muss. Dabei sollte man es sich zweimal überlegen, ob man ein MMORPG veröffentlicht, dem noch der richtige Schliff fehlt. Die Developer sollten manchmal etwas geduldiger sein und gewissenhafter vorgehen, als zu riskieren, dass das halbfertige Spiel nach den ersten 10 Leveln in der Senke verschwindet.
Fazit: Bei manchen Grinder-Games darf man sich nicht wundern, wenn auf den Servern gähnende Leere herrscht, weil die Hälfte der Spieler einfach nicht die Geduld oder die Lust hat, 100 ätzende Level zu grinden. Wenn eine Quest als Belohnung gerade einmal so viel EP gewährt, wie wenn man drei Mobs klatscht, dann verzichtet man auf die Laufquests und sucht sich halt einen guten Grind-Spot oder deinstalliert gleich endgültig das MMORPG. Die Konkurrenz ist hart und da bleiben die Entwickler zu loben, die mit Bedacht längere Reisewege und niedrige EP-Raten vermeiden. Und die werden dann letztendlich auch den Erfolg haben, wenn der End-Content viel Spielspaß beinhaltet und auch längerfristig unterhaltend ist.
Wie ist eure Meinung zum Thema Grinden?
Neuere News:
- Dokumentation eines MMORPG-Süchtigen - Sonntag, 05. Februar 2012
- Fünf Gründe, warum ihr an diesem Wochenende Dungeons & Dragons Online spielen solltet - Samstag, 04. Februar 2012
- Konsequenzen in Massively Multiplayer Online Role-Playing Games - Montag, 30. Januar 2012
- Special: Darum gehören Drachen in jedes Fantasyspiel! - Samstag, 28. Januar 2012
- Wird S.T.A.L.K.E.R. Online Free to Play? - Freitag, 27. Januar 2012

